Alltag-Fotografie,Fotografieren im Vorübergehen, Dieter Gergen 2026
- gergen2
- 4. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Mai
Fast jeden Tag, wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich meine Kamera dabei. Ich fotografiere dann nicht unbedingt mit einem festen Plan, sondern eher zufällig auftauchende einzelne Motive: Situationen, Spuren und Gegenstände, für mich auffällige Lichtstimmungen, kleine Szenen oder zufällige Anordnungen, die leicht übersehen werden könnten.
Diese Fotos nenne ich Alltag-Fotos.
Mit dem Begriff „Alltag“ meine ich dabei nicht das Banale im abwertenden Sinn. Alltag ist für mich vielmehr der Raum der Routinen, in dem sich mein Leben tatsächlich abspielt – sei es auf Wegen, Straßen und Plätzen, beim Einkaufen, Spazierengehen, Radfahren, Warten oder Beobachten. Alltag ist das scheinbar Selbstverständliche, das mich ständig umgibt.
Alltag bedeutet für mich in diesem Zusammenhang: das Ungeplante, das Beiläufige, das Vorübergehende. Es sind keine inszenierten Motive, sondern Fundstücke meines Sehens. Meine Kamera wird dabei zu einem Werkzeug der Aufmerksamkeit. Sie hilft mir, genauer hinzuschauen und dem Flüchtigen, dem Entdeckten eine besondere Form zu geben.
Meine Alltag-Fotos entstehen aus Begegnungen mit Motiven, die nicht spektakulär sein müssen. Oft reicht ein bestimmter Schatten, eine verwitterte Oberfläche, eine Spiegelung, eine Farbkonstellation, eine Geste, ein verlassenes Objekt oder eine kleine Irritation im Stadtbild. Entscheidend für mich ist, ob beim Sehen eine Resonanz entsteht.
So verstanden ist meine Alltag-Fotografie für mich auch eine Übung im bewussten Wahrnehmen. Sie fragt nicht zuerst nach dem großen Ereignis, sondern nach dem Besonderen im Gewöhnlichen. Sie hält fest, was sonst verschwindet: kleine visuelle Notizen aus dem täglichen Leben.
Für mich ist diese Art des Fotografierens eine Form von persönlichem Tagebuch – allerdings nicht unbedingt erzählerisch im klassischen Sinn. Die Bilder dokumentieren weniger, was ich getan habe, sondern vielmehr, was mir aufgefallen ist. Sie zeigen Spuren meiner Wahrnehmung im Alltag.
Meine Alltag-Fotos sind somit keine bloßen Schnappschüsse. Sie können spontan entstehen, aber sie beruhen auf Aufmerksamkeit, Auswahl und Bildgestaltung. Sie bewegen sich zwischen Dokumentation, visueller Notiz und künstlerischer Gestaltung.
Der Alltag wird so zu einem offenen fotografischen Feld. Er ist überall vorhanden, aber nie gleich. Jeder Weg, jede Straße, jeder Ort kann etwas zeigen, wenn man bereit ist, hinzusehen. In diesem Sinn ist Alltag nicht nur Routine, sondern auch ein Reservoir an Bildern, Geschichten und stillen Momenten.
Ich denke, dass meine fotografische Arbeit mit dem Thema Alltag-Fotos in einem Zusammenhang mit einer möglichen Auffassung von zeitgenössischer Fotografie steht, die das Beiläufige, Unspektakuläre und scheinbar Nebensächliche als bildwürdig begreift.
Zusammengefasst würde ich sagen: Meine Alltag-Fotos sind keine inszenierten Kompositionen und keine klassische Reportage. Sie entstehen aus einer aufmerksamen, subjektiven Beobachtung meines Alltags heraus. In ihnen verbindet sich Dokumentation mit persönlicher Bildsprache. Entscheidend ist für mich dabei nicht das spektakuläre Motiv, sondern der zufällige, besondere Moment, in dem etwas Gewöhnliches durch meinen fotografischen Blick Bedeutung erhält.
Alltag-Fotografie bedeutet für mich, das scheinbar Alltägliche und Gewöhnliche mit fotografischer Aufmerksamkeit zu betrachten und dem Gesehenen eine bildnerische Bedeutung zu geben.




































































Eine beeindruckende Zusammenstellung. Mir gefällt die Auswahl der Motive, aber auch die konsequente Reduzierung auf das Format. 👍