Meine Experimente mit der Solarisation
- gergen2
- 11. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Dieter Gergen, "Traumfotos",2026
In den 1980er-Jahren begann ich, mich intensiver mit der Solarisation in der Fotografie zu beschäftigen. Für meine allgemeinen fotografischen Arbeiten nutzte ich zunächst überwiegend Farb-Diafilme. Gleichzeitig setzte ich mich intensiv mit verschiedenen Kunststilen der Malerei auseinander. Besonders die Werke des Expressionismus und des Surrealismus beeindruckten mich sehr. Die expressive Kraft und die Verfremdung der Wirklichkeit prägten sicher auch meine weitere künstlerisch-fotografische Entwicklung.
Die Schwarzweißfotografie eröffnete mir damals einen neuen Zugang. Im Unterschied zur Farbdiafotografie reduzierte sie das Motiv auf Licht, Schatten, Form, Struktur und Grauwerte. Gerade diese Reduktion machte sie für Experimente besonders interessant. Außerdem konnte ich die Arbeiten unabhängig in meinem eigenen Schwarzweiß-Fotolabor durchführen.
Die Idee der Solarisation faszinierte mich deshalb, weil sie das fotografische Bild während der Entwicklung noch einmal veränderte. Durch eine kurze Zwischenbelichtung bei der Filmentwicklung entstanden teilweise umgekehrte Tonwerte, helle Konturlinien und eine grafische, fast surreale Wirkung. Besonders spannend fand ich, dass die Ergebnisse nicht wirklich vorhersehbar waren – und genau das wollte ich auch so.
Damals benutzte ich dafür den heute wohl nicht mehr erhältlichen Film von Kodak, den Technical Pan ISO 16–25. Dieser war extrem feinkörnig, hochauflösend und erschien mir für technisch-künstlerische Arbeiten besonders geeignet. Die Filme habe ich grundsätzlich mit ISO 18 belichtet und anschließend ganz normal auf Fotopapier vergrößert.
Dieses Spiel zwischen Kontrolle und Zufall faszinierte mich sehr. Ich konnte mit Entwicklungszeit, Lichtmenge, Film und Chemie experimentieren. Das Ergebnis blieb immer ein Stück weit unvorhersehbar. Genau diese Unsicherheit machte für mich den besonderen Reiz aus.
Wenn ich heute zurückblicke, waren diese Experimente – die mir viel Spaß bereiteten – ein wichtiger Schritt in meiner fotografischen Entwicklung. Sie führten mich weg von der Vorstellung der reinen Abbildung hin zu einer freieren, experimentelleren Bildsprache. Die Solarisation machte mir bewusst, dass Fotografie bei Weitem nicht nur Wirklichkeit festhalten kann, sondern dass ich mit dieser Technik traumhafte, „innere Bilder“ erschaffen kann.










































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